Videofilmen

Ein Film entsteht

 


Wohl jeder Filmer hat im Laufe der Jahre seine eigene Methode entwickelt, damit aus dem Rohmaterial schließlich ein fertiger Film wird. Hierfür kann man auch keinen generellen Weg vorschreiben, denn die Vorgehensweise hängt - neben der persönlichen Technik - auch sehr von der Art des Filmes ab. Ein kleiner Spielfilm z.B benötigt natürlich schon vor Beginn der Aufnahmen eine gewisse Planung, ein Drehbuch.

Anders ist die Situation bei einem Urlaubsfilm. Hier entstehen die Aufnahmen doch mehr oder weniger planlos. Man unternimmt Wanderungen, Ausflüge, besucht Museen oder landschaftlich schöne und interessante Plätze, und immer ist die Kamera dabei und sammelt die schönsten Bilder und Eindrücke ein. Manche Orte besucht man gleich mehrfach und hat dann vielleicht Bilder der gleichen Motive vom frühen Morgen oder späten Abend. Hinzu kommen dann noch Aufnahmen vom Hotel, von einer folkloristischen Darbietung oder Bilder vom Hin- oder Rückflug. Manche Aufnahmen sind sehr gut geworden, andere wiederum kaum zu verwenden. Kurzum: Es hat sich eine ganze Menge Material angesammelt, in dem aber noch keine Spur von Strukturierung, geschweige denn, der Ansatz einer Handlung erkennbar ist.

 


Der Schnitt


 

Der erste Schritt ist deshalb die Sichtung und Katalogisierung des gesamten Materials. Sehr nützlich ist dafür eine kleine Excel-Liste, in die man die einzelnen Stationen des gefilmten Urlaubs - nennen wir sie einmal Episoden - aufführt. Jede bekommt einen möglichst aussagefähigen Titel, und zusätzlich wird die Bandnummer sowie Start- und Endposition bzw. die Dauer der Episode vermerkt. Selbstverständlich erreicht man den gleichen Effekt auch mit einer von Hand geschriebenen Liste.

Hat man so seinen Bildbestand erst einmal katalogisiert, dann kommt die nächste, ganz entscheidende Phase:

Jetzt muss der Ablauf des Filmes geplant werden.

Es entsteht also eine neue Liste, in der  die einzelnen Stationen des Films beschrieben sind. Das sind also einzelne Blöcke, die quasi die Handlung, den Ablauf des eigentlichen Filmes beinhalten. Diesen Blöcken wird dann das in der nebenstehenden Liste enthaltene Material zugeordnet.

Damit ist dann eine Struktur für den Film geschaffen, die fallweise noch um bestimmte Ergänzungen für Titel, Vorspann, Abspann, etc. erweitert werden kann.  Nun erst kann mit dem eigentlichen Schnitt begonnen werden. Hierzu spielen wir alles Material, welches wir gedanklich dem ersten Szenenblock zugeordnet haben in das System und zerlegen es über die Funktion Aufteilen in seine einzelnen Takes.

Da haben wir nun unsere Bausteinchen für den ersten Block beieinander und die kreative Arbeit kann beginnen: Ungeeignete Takes werden gelöscht, zu lange Aufnahmen getrimmt. Die Aufnahmen werden in der gewünschten Reihenfolge in das Storyboard gestellt. Abspielen, anschauen, umstellen - so lange, bis der Block unseren Wünschen entspricht.

Danach können wir einzelne Szenen - wo angebracht oder notwendig - dann immer noch mit einem Übergangseffekt versehen. Aber Vorsicht! Hier sollten wirklich nur "dezente" Übergänge wie z.B. eine weiche Überblendung von einer halben oder einer Sekunde Dauer verwendet werden. Später, wenn die einzelnen Blöcke - die Kapitel des Filmes - aneinander gereiht werden, kann man dann etwas tiefer in die Trickkiste greifen.

 

So könnten wir nun Block für Block abarbeiten: Szenenvorrat löschen, das nächste Material einspielen, Takes auswählen, trimmen, und irgendwann haben wir dann den gesamten Film im Storyboard. Dies ist eine durchaus mögliche und häufig praktizierte Vorgehensweise, bei der zunächst der ganze Film geschnitten, und erst dann mit der Vertonungsarbeit begonnen wird. Bei der anderen Methode geht sie - oder zumindest ein Teil von ihr - mit den Schnittarbeiten quasi Hand in Hand.

 


Die Nachvertonung


 

Ein guter Ton ist für die Wirkung eines Filmes von mindestens gleicher Bedeutung wie ein sauberer Schnitt. Erst durch die Musik werden die einzelnen Bilder zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen. Kleine Unebenheiten beim Schnitt, die vor der Vertonung vielleicht noch ins Auge fielen, werden danach häufig kaum noch wahrgenommen. Musik beeinflusst die Stimmung die uns die Bilder vermitteln in ungeahnter Weise. Die gleichen Bilder haben - je nach unterlegter Musik - eine völlig andere Wirkung auf den Zuschauer. Der Auswahl der Musikstücke ist deshalb besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Für die Musikvertonung, unmittelbar nach dem ersten Schnitt einer Szenenfolge, sprechen gute Gründe, die leicht einsehbar sind. Haben wir ein passendes Musiksample ausgewählt und lassen es probeweise parallel zur Szene laufen, stellen wir vielleicht fest, dass die Musik im Prinzip zwar passt, der Rhythmus stimmt aber nicht mit dem Bildwechsel überein oder bildhafte Höhepunkte fallen nicht mit den musikalischen Höhepunkten zusammen. Hier können wir also durch leichte Umstellungen in der Reihenfolge bzw. durch Kürzung oder Verlängerung einzelner Bilder einen harmonischeren Eindruck erreichen.

 

Zur Vertonung gehört natürlich auch die Bearbeitung des Originaltones, der aber häufig nicht von bester Qualität ist. Manche Kameramikrofone reagieren sehr stark auf Windgeräusche, und entsprechend schlecht ist dann das Ergebnis. Hier kann man den Originalton nur sehr stark zurücknehmen, oder aber ganz durch entsprechende Tonkonserven ersetzen. Nicht zu empfehlen ist die gänzliche Stummschaltung des Originaltones. Die Musik kommt dann zwar besonders zur Geltung, die Szenen wirken aber häufig ziemlich steril.

Umgekehrt gibt es natürlich auch Szenen, die kaum Originalton enthalten. Hier können zusätzlich eingebaute Tonsamples wie z.B. Vogelgezwitscher oder das Zirpen von Grillen den Bildern deutlich mehr Wirkung, mehr Volumen verschaffen.

 


Titel und Vorspann


 

Die heute vorhandenen technischen Möglichkeiten haben die Gestaltung von Titel und Vorspann fast zu einer eigenen Kunstgattung werden lassen. Aber so faszinierend dies bei modernen Kinoproduktionen auch erscheinen mag - für den Amateurfilmer ist weniger oft mehr. Vor allem stehen wir ja nicht vor der Notwendigkeit, minutenlange Listen mit den Namen aller am Film beteiligten Personen zu produzieren. Dies nachzuahmen - wobei dann in allen Positionen der gleiche Name erscheint - ist ausgesprochen albern.

 

Trotzdem: Einen richtigen Titel sollten wir unserem Werk schon zugestehen, und gegen einen Vorspann, der Appetit macht und den Zuschauer auf den Film einstimmt, ist absolut nichts einzuwenden. Eine von vielen Möglichkeiten - der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt - ist ein sogenanntes Kaleidoskop. Unterlegt von einer passenden Musik laufen hierbei in schneller Schnittfolge die besten Bilder aus dem Film in loser Folge hintereinander ab. Eine Technik, wie sie z.B. auch bei den Trailern benutzt wird.

Dieses Kaleidoskop setzt man vorzugsweise ganz an den Anfang, danach erscheint der Titel, und erst dann setzt der eigentliche Film ein. Ob man dabei den Titel selbst vor einem neutralen Hintergrund zeigt oder aber transparent über die Bilder legt, ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Bei professionellen Produktionen finden wir in diesem Bereich auch immer das Markenzeichen, quasi das Logo der jeweiligen Filmgesellschaft. Das ist z.B. der berühmte brüllende Löwe von MGM oder die drehende Erdkugel von Universal. Im Prinzip wäre es schon eine schöne Sache, wenn wir uns auch so etwas zulegen, und damit alle unsere Filmen im Vorspannbereich so kennzeichnen. In der Praxis funktioniert dies meistens nicht, es sei denn, man hat dies schon beim ersten Film so gemacht und dann auch konsequent durchgehalten.

Recht praktisch dagegen ist ein kleiner Nachspann den wir am Ende des Filmes anhängen. Ohne großen technischen Aufwand können hier bestimmte Angaben zum Film wie z.B. Entstehungsjahr, Kameratyp, Schnittsystem, etc. festgehalten werden. Hängt man dies einige Sekunden nach dem offiziellen ENDE an, kann man diesen Teil bei einer Vorführung leicht auslassen.


Der Kommentar


 

Jede Form von Dokumentarfilm - und dazu zählen auch unsere Reisevideos - benötigen eine Kommentierung, da diese Filme keine sich selbst erläuternde Handlung aufweisen.

Der Kommentar soll zusätzliche Informationen zu dem gezeigten Bildmaterial liefern und dieses fallweise erläutern. Texte, die nur beschreiben was das Bild sowieso schon zeigt, sind deshalb völlig überflüssig.

 

Den Kommentar fügt man folgerichtig erst ganz zum Schluss dem ansonsten fertigen Film hinzu. Die einzelnen Textblöcke sollte man auf jeden Fall schriftlich festhalten und sie vor der Einspielung probeweise vor dem im Hintergrund ablaufenden Film laut sprechen um den genauen Einsatzzeitpunkt zu bestimmen. Danach können sie dann per Mikrofon als einzelne Tonsamples eingegeben und an den richtigen Stellen plaziert werden.

 

Auch für den Kommentar gilt natürlich die Regel von der sparsamen Verwendung. Kurze, klare Anmerkungen an den Stellen, die einer Erläuterung bedürfen und damit dem Zuschauer zu einem besseren Verständnis verhelfen. Ein guter Kommentar darf als eigenständiges Element eigentlich gar nicht wahrgenommen werden sondern zusammen mit den Bildern und der Musik einen Gesamteindruck beim Zuschauer bewirken. Ununterbrochenes Gequatsche ohne Punkt und Komma ruiniert dagegen auch den besten Film.

 


Zusammenfassung


 

Wie bereits zu Eingang gesagt, gibt es keine feste Regeln für die Vorgehensweise bei der Filmbearbeitung. Im Laufe der Zeit wird jeder zu seiner eigenen, ganz persönlichen Technik und Arbeitsweise finden. Außerdem wurden viele Aspekte einer weiter  fortgeschrittenen Filmgestaltung wie z.B. die Anwendung von Insert-Schnitten, Multilayer-Techniken, etc. hier bewusst außer Acht gelassen. Die vorstehenden Erläuterungen zielen deshalb in erster Linie auf den Anfänger. Sie sollen ihm in der ersten Phase eine gewisse Orientierung geben und Hinweise für eine sinnvolle und rationelle Arbeitsweise liefern. Diese ersetzt zwar nicht die eigene Kreativität, hilft aber mit, damit sich diese ungehindert entfalten kann und die Freude an diesem schönen Hobby lange anhält.