Sentinel

Verborgene Existenzen

 

 


 

Haltet euch von den Gräbern fern!

 

Diese Mahnung wurde uns, die wir hier in der Stadt, direkt am Rande des riesigen Gräberfeldes wohnten, schon als Kinder eingebläut. Aber mit der gleichen Hartnäckigkeit wurde die Warnung von uns in den Wind geschlagen, denn zu anziehend war diese Ansammlung von Gräbern, unterirdischen Kammern und dunklen Gängen, die als einziges Relikt von der untergegangenen, rätselhaften Zivilisation der Tastaner übrig geblieben war.

Ungefährlich waren diese Gräber nicht, und einige von uns, die aus Neugier, Abenteuerlust oder anderen Motiven hier eingedrungen waren, hatten ihren Mut wohl mit dem Leben bezahlt, denn sie kehrten nie mehr zurück.

Das Grab Nr. 35 galt als das gefährlichste von allen, wussten wir doch aus Erzählungen, dass es von einer künstlichen Intelligenz bewacht wurde. Freiwillig wären wir deshalb nie dort hinabgestiegen, aber Dobar, eine übler Verbrecher, hat unsere Schwester Carrie entführt, und so bleibt uns keine andere Wahl. Wir müssen das Risiko eingehen.

 

 

Einige Gräber hatten wir ja schon besucht, hatten unsere Namen als Beweis dafür in die Wand der innersten Kammer gekratzt, und uns danach so schnell wie möglich aus dem Staub  gemacht. Hier war aber alles anders. Diese Grabstätte sprengt aber schon allein durch ihre Dimensionen alle unsere bisherigen Vorstellungen, und der Gedanke an das Wächterprogramm, das die Ruhe des Grabes bewachen soll, ist auch nicht dazu angetan, unsere angespannten Nerven zu beruhigen.

 

 

Wir haben auch kaum die ersten Schritte in diese fremdartigen Umgebung getan, da werden wir bereits mit der Projektion dieses Wächterprogramms konfrontiert. Es ist das Hologramm einer jungen Frau, die uns eindringlich auffordert, ihre Grabstätte umgehend zu verlassen.

 

 

Was müssen diese Tastaner für eine hochentwickelte Technik besessen habe, dass es ihnen möglich war, ihre Bewusstseinsinhalte auch nach dem Tod zu konservieren und zum aktiven Kern eines solchen Schutzprogramms zu machen. Auf der obersten Ebene finden wir ein zentrales Schaltpult mit Symbolen, die wir auch an den Türen von drei Kammern gesehen haben, und als wir diese betätigen, erwachen in diesen Kammern drei  Energieprojektoren zum Leben.

 

 

Offensichtlich handelt es sich dabei um Transportfelder durch die man in verschiedene Welten reisen kann, die für den Besitzer des Grabes zu seinen Lebzeiten von besonderer Bedeutung gewesen sind. Wie diese Welten aussehen, wo sie sich befinden und ob es einen Weg von dort zurück gibt, wissen wir nicht. Aber haben wir eine Wahl?


Tregett


Wir haben das Transportfeld durchschritten und finden uns in einer seltsam anmutenden Welt wieder. Vor uns ragt ein stählerner Turm in die Höhe, um den sich gigantische Pflanzen mit leuchtenden Blütenköpfen gruppieren. Überhaupt scheint in dieser Welt die  Technik eine seltsame Symbiose mit der gigantischen Flora eingegangen zu sein.

 

 

Gerade haben wir uns etwas umgesehen, als wir erneut der Projektion der Wächterin begegnen. Vielleicht täuschen wir uns, aber es scheint, als wolle sie uns nicht mehr - so wie bei unserer ersten Begegnung - so unbedingt von unserem Vorhaben abbringen. Ihre Fragen zielen mehr darauf ab unsere Motive zu ergründen, und irgendwie haben wir den Eindruck, als wolle sie uns diese Traumwelten näher bringen.

 

 

Auf einem Blütenstand gegenüber der großen Stahlsäule finden wir ein Schaltpult, mit der sich der Turm bewegen lässt. Wir experimentieren ein wenig mit den verschiedenen Einstellungen, und nach einigen Fehlversuchen hat sich zwischen den Blütenköpfen ein Netz von elektrischen Entladungen gebildet.

 

 

Offensichtlich ist es uns gelungen, die Energieversorgung des Turmes in Gang zu bringen, denn rund um den stählernen Laufsteg haben rotierende Energiefelder ihre Arbeit aufgenommen. Ein pulsierender Leuchtknopf erregt unsere Aufmerksamkeit, und eine Plattform bringt uns auf eine Ebene an der Spitze des Turmes.

 

 

Hier stehen wir dann vor dem nächsten Rätsel: Eine unpassierbare Brücke, und davor vier Schaltpulte, auf denen sich unterschiedliche elektrische Entladungen zwischen den tragenden Elementen einstellen lassen. Es dauert eine ganze Weile, bis wir die richtige Kombination gefunden, und über die Energiebrücke die nächste Ebene erreichen.

 

 

Die Brücke zur nächsten Plattform macht zum Glück einen stabilen Eindruck, um so rätselhafter sind dafür die sich ruckartig drehenden Blütenblätter, die bei jeder Drehung in ihrem Inneren ein anderes Muster erzeugen. Um einen Lift gruppiert finden wir aber die Gegenstücke: Scheiben, die uns ein Muster vorgeben, das offensichtlich an den Windmühlen eingestellt werden muss.

 

 

Unsere Überlegung war richtig, und nachdem wir auch noch das Muster aus kurzen und langen Blättern auf die Scheiben übertragen haben, erscheint die Plattform eines Liftes und befördert uns nach unten. Von hier unten werden auch die gewaltigen Ausmaße deutlich, die diese rätselhafte Anlage hat. Aber was soll diese Anlage schützen? Wen sollen die komplizierten Prüfungen fernhalten?

 

 

Vor uns erstreckt sich eine sumpfige Landschaft, aus der uns leuchtende Pflanzen und seltsam anmutende Gesteinsformation ins Auge fallen, und auf einem der Hügel sehen wir dann auch den Grund dafür: In einer bogenförmigen Konstruktion, gehalten von einem Kraftfeld, schwebt ein leuchtend blauer Kristall, der uns wie magisch anzieht.

Ist er das Herz dieser Welt, der Preis der schwierigen Prüfungen denen wir unterzogen wurden?

 

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