Götterdämmerung
Nach zehn mal tausend Morgenröten, nach zehn mal tausend Umarmungen wird die Seele des Helden wieder ungeduldig.
Das Rheingold, der verfluchte Ring den er trägt, verlangt von ihm, dass er neue Horizonte erschließt, neue Menschen und Götter erkennt und neue Kämpfe kämpft.
Die Walküre, die seine Qual und sein Leiden sah, hatte begriffen, dass sie ihren Geliebten ziehen lassen musste, um eines Tages erneut zehn mal tausend Morgenröten, zehn mal tausend Umarmungen erleben zu können.
Während unzähliger Jahren durchquert der Wälsung gleich einem Spielball der Götter die Orte von Midgard, der Welt der Menschen. Eine unendliche Folge von Kämpfen und Genüssen, denn nichts konnte den Hunger seiner brennenden Seele stillen ...
Siegfried ist auf der Suche nach Erda, der Erdgöttin und Mutter des Geschlechtes der Wälsungen - auf der Suche nach der eigenen Herkunft und seiner letztlichen Bestimmung.



Im Verlauf seiner Irrfahrten landet er am Hof der alten und grausamen Dynastie der Gibichungen zu Worms am Rhein. Die Gibichungen sind die Abkömmlinge einer unseligen Verbindung des Zwergenkönigs Alberich mit einer Menschenfrau. Gunther, der jähzornige und schwache König steht unter der Knute seines Halbbruders Hagen und seiner machtgierigen, nach einem Gatten verlangenden Schwester Gutrune.



In einem Kampf mit Siegfried muss König Gunther schnell erkennen, dass er dem Helden nicht gewachsen ist und erkennt den Wert, den dieser als Verbündeter für ihn haben könnte.



Hagen schmiedet einen finsteren Plan. Um Erda zu finden soll Siegfried die Zutaten für einen Zaubertrank finden: Tränen der Trauer, gemischt mit Tränen der Freude, und gebunden durch den Spinnfaden der Nornen, der Schicksalsgöttinnen, die diesen Faden seit dem Anbeginn der Zeit spinnen.



Die Rheintöchter schenken ihm ihre Tränen, die sie aus Trauer über den verlorenen Schatz vergossen haben. In den Gewölben des toten Drachen überwältigt Siegfried den Zwergenkönig, der dort immer noch nach dem verlorenen Ring sucht, und übergibt ihn den Rheintöchtern. Und zum Dank schenken sie ihm auch ihre Freudentränen.



Die Nornen spinnen seit dem Beginn aller Dinge am Ende der Welt ihren endlosen Schicksalsfaden, der die Geschicke der Menschen und Götter verknüpft und leitet. Siegfried erlangt ein Stück von diesem Faden und vermeint nun alles in seiner Hand zu haben, um Erda, die Mutter der Erde und Ahnin seines eigenen Geschlechtes zu finden.
Er ahnt nicht, dass dieser Zaubertrank ihn alles vergessen lassen wird.....
Geblendet von dem Zaubertrank und gefangen im Netzwerk von Hagens Ränke kehrt Siegfried nach Hinderfjall dem Felsen der Walküren zurück. In der Gestalt von König Gunther entführt er seine geliebte Brünhilde um sie seinem Lehnsherren zur Gattin zu geben.
Am Hof von Worms beginnen die Festlichkeiten zur Vermählung von Gunther mit Brünhilde und dem noch immer ahnungslosen Siegfried mit Gutrune.
Von jenem verraten, auf dessen Rückkehr sie sehnsüchtig all die langen Tage und Nächte gewartet hatte, ist Brünhildes einziger Wunsch fortan Rache zu nehmen. Rache an Siegfried, der sie - wie sie meint - schmählich verriet und verlassen hatte.
Sie vertraut sich Hagen an und offenbart ihm schließlich das Geheimnis, das nur sie kennt: Die Stelle auf Siegfrieds Rücken, die von Fafners Blut nicht benetzt wurde und verwundbar ist ...



Eine Jagd ist angesagt, auf der Hagen sein schmähliches Werk vollenden will. Abseits der Jagdgesellschaft trifft Siegfried auf die große Erdenmutter, und der Schleier des Vergessens fällt schlagartig von ihm ab. Seine Kindheit, die Prüfungen und Kämpfe, und schließlich seine große Liebe zu Brünhilde und sein ungewollter Verrat an ihr, alles steht wieder klar und deutlich vor seinen Augen. Und er weiß, dass sein Leben hier in diesem Wald enden wird.



Niemand hätte ihn zu besiegen vermocht, aber Hagens Lanze trifft genau die ungeschützte Stelle im Rücken, und Siegfried sinkt tödlich getroffen zu Boden. Erda's Prophezeiung hat sich erfüllt: Wissend und als freier Mann soll er, der so lange Spielball und Werkzeug der Götter war, den Tod finden.



Der Himmel hat sich verdunkelt, als die sterbliche Hülle des letzten Helden eines versinkenden Zeitalters auf das Schiff gebracht wird, das ihn in die Gemeinschaft der gefallenen Helden nach Walhall überführen soll.



Brünhilde entzündet den Scheiterhaufen für den toten Geliebten, und im Wirbel der hoch empor lodernden Flammen neigt sich das Zeitalter der alten Götter dem Ende zu. Und während die Titanenmauern von Walhall einstürzen und der Wohnsitz der Götter im Feuersturm untergeht, verkündet die sanfte Morgenröte den Beginn eines neuen, glücklichen Zeitalters.