Myst iv
Revelation
Serenia - Traumwelt
Eigentlich wollten wir ja versuchen zu der unter Wasser liegenden Tür in der alten Erinnerungskammer zu gelangen. Nachdem wir aber jetzt unseren Geistführer gefunden haben, sind wir natürlich sehr gespannt darauf, was uns in der Traumwelt erwartet.
In der Traumkammer erwartet uns Zanika. Wir sollen uns auf die Steinplatte legen und in die Augen über uns schauen. Unser Geistführer wird uns im Traumreich erwarten.



Wir gleiten in einen psychedelischen Traum hinüber, in der die reale Welt ohne jede Bedeutung zurückbleibt. Wir sehen archaische Symbole, und die Geistführer, die wie Kometen in der Nacht vor unserem geistigen Auge vorbeiziehen.



Immer tiefer zieht es uns in den Strudel aus Licht, Farben und Klängen. Unser Führer hat den Geist eines Träumers gefunden. Ein Bewusstsein mit der Kraft Träume zu formen, aber ohne die Möglichkeit in den eigenen Körper zurückzukehren.
Das weiße Licht, in dem sich Yeeshas Bewusstsein manifestiert, wird umringt von vielfarbigen Aureolen. Es sind die Geister der Ahnen, aber ohne unsere Hilfe sind sie nicht imstande den Kontakt aufzunehmen.



Wir wissen nicht mehr wie lange wir in dieser Traumwelt gefangen waren, verzweifelt darum bemüht die Farben in Einklang zu bringen. Wir haben schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber dann löst sich das weiße Licht in die Gruppen von Komplementärfarben auf, aus denen es entstanden ist.
Wir sind noch ziemlich benommen als wir die Kammer verlassen und auf Anya treffen. Die Erinnerungskammer soll verschlossen werden bis wir die Krise beendet haben. So haben es die Beschützerinnen in ihren Träumen gesehen.



Eilig streben wir der alten Erinnerungskammer zu, als uns aus der bislang verschlossenen Tür plötzlich Sirrus entgegentritt. Mit diesem Zusammentreffen hat er wohl nicht gerechnet, denn er konstruiert in aller Eile eine höchst unglaubhafte Geschichte. Danach hält Achenar Yeesha gefangen, und wir müssen Atrus unbedingt dazu bewegen, hierhin zu kommen.
Nun, wir kennen seine schon sehr lange zurückreichenden verbrecherischen Pläne aus Achenars Tagebuch ganz genau und glauben ihm kein Wort:
Serenia sollte ursprünglich zu einer tödlichen Falle für Atrus werden, und sein Bruder war dabei nur das Werkzeug zur Realisierung seiner Ziele. Das hatte Sirrus schon lange vor seiner Festsetzung auf Spire geplant. Sein krankhafter Ergeiz hat es nie verwunden, dass Atrus ihn nicht in der Kunst der D'ni unterrichtete.
WIR haben seine Pläne schon einmal durchkreuzt, damals, als er Katharina nach Riven lockte und sie Gehn auslieferte. Und jetzt hat Atrus wiederum uns an seiner Stelle hierhin geschickt. Eigentlich ein Rückschlag für Sirrus, aber nun hat ihm das Schicksal Yeesha in die Hände gespielt und ein neuer Plan ist entstanden.
Unsere Überlegung mit den Stellwerken war richtig. Die Pumpen fördern kein Wasser mehr, aber der Wasserspiegel ist immer noch zu hoch. Im Gang zur Tür finden wir ein Stellrad, und als wir es betätigen, öffnet sich eine Schleuse, und noch mehr Wasser läuft ab. Noch einmal füllen wir die Tauchkugel mit Wasser, und dann stehen wir endlich vor der Tür, nach der wir so lange gesucht haben.



Wir wissen was wir zu tun haben: Aus den Farben formen wir das Muster, das wir auf Spire gefunden und im Traum gesehen haben, und ergänzen es dann so, dass es zusammen mit den Komplementärfarben in strahlendem Weiß aufleuchtet.



Die Tür hat sich geöffnet. Ein dunkler Gang, eine Leiter, und durch eine Luke kommen wir in den oberen Bereich der abgestorbenen Erinnerungskammer. Ein schweres Schott versperrt den inneren Bereich, und als wir es öffnen, stehen wir vor dem Herz der Kammer. Es scheint noch zu leben, denn unter dem Glassturz, der die grünen Dämpfe einschließt, bewegt es sich unruhig.



Wir finden Sirrus in einem verschlossenen Tank, der über mehrere Schläuche mit einem Lebenserhaltungssystem verbunden ist. Seine Augen sind halb geöffnet, zeigen aber keine Reaktion. Im angrenzenden Raum dann endlich die Erlösung: Yeesha, die an einen seltsamen Stuhl gefesselt ist.



Die Entscheidung
Sie hat uns wohl nicht erwartet, scheint aber sehr erleichtert zu sein als wir es sind. An einem Schaltpult im Hintergrund des Raumes erkennen wir zwei Hebel, mit den man die Verschlüsse an ihren Handgelenken öffnen kann.
Gerade wollen wir den silbernen Hebel betätigen den sie uns genannt hat, da stürzt Achenar mit einem lauten "NEIN!" in den Raum. "Nein, das ist nicht Yeesha!"



Es mag unglaublich erscheinen, aber eine innere Stimme sagt uns, dass er die Wahrheit sagt. Sein Tagebuch, der Stuhl, der eigentlich für Atrus bestimmt war, der Tank mit dem leblosen, wie schlafenden Sirrus. Unser Verstand weigert sich dies alles zu glauben, aber die Indizien sind eindeutig. Yeesha Stimme, die Achenar beschuldigt erst Sirrus und jetzt auch uns töten zu wollen dringt kaum mehr in unser Bewusstsein.
Wir haben unsere Entscheidung getroffen!
Wir haben uns später oft gefragt, was wohl geschehen wäre, wenn wir uns anders entschieden oder zu lange gezögert hätten? Und in unseren Gedanken hören wir dann wieder und wieder die höhnische Stimme von Sirrus die durch Yeeshas Mund seinen Triumph verkündet .....



Yeeshas Kopf ist nach hinten gefallen, und heftige Schläge erschüttern die Kammer. Sirrus Versuch sich aus ihrem Geist zu entfernen und in das Traumreich zu entfliehen hat die letzten Energiereserven der Kammer erschöpft. Achenar will deshalb versuchen, den Lebensstein direkt in das Herz der Kammer zu setzen und damit soviel Zeit gewinnen, dass wir ins Traumreich reisen und Yeesha Bewusstsein wieder zurück bringen können.



Wir wissen, dass Achenar damit sein eigenes Todesurteil unterzeichnet hat. Zerschlägt er die schützende Glocke über dem Herzen der Kammer, werden die freiwerdenden Dämpfe ihn töten. Aber genau so graut es uns davor, diesen Stuhl, der einem wie ein Vampir die Seele aus dem Körper saugen kann, zu benutzen.



Wieder blicken wir in die glühenden Augen der Traummaske, und wieder werden wir in diesen bodenlosen Abgrund gezogen. Die Manifestation von Sirrus Traumpersönlichkeit taucht vor uns auf. Ein Gebilde, das einer bösartig leuchtenden Krake gleicht, die in ihren Fangarmen das Bewusstsein Yeeshas gefangen hält. Ihre Erinnerungen sind in fragmentarische Teile zerfallen, und wir müssen diese nun Stück für Stück wieder in einen geordneten Zusammenhang bringen.



Wir haben es geschafft. Yeeshas Bewusstsein ist befreit, und Sirrus Traumkörper verliert sich haltlos im Nichts. Ein blendendes, weißes Licht bringt uns in die Realität zurück. Achenar beugt sich über den Stuhl, auf dem Yeesha gerade erwacht. Ihm bleiben nur noch wenige Atemzüge: Es wird gut, kleine Schwester. Alles wird gut ......



Später, als Katharina mit Yeesha Tomahna verlassen hat, finden wir noch Zeit für ein letztes Gespräch mit Atrus. Eine Tür hat sich geschlossen. Es wird wohl lange dauern, bis die Wunden verheilt sind, und zum ersten Mal in unserer langen Bekanntschaft haben wir das Gefühl, dass wir ihn nicht mehr sehen werden.